kurz

hebt sich die schranke vorne liegt nun
offen und ich strecke die arme endlos
in die welt
hinein ein kurzes „Ich kann“ und ich sehe mich
im moos tauchend kniend
am meeresgrund die büffel treibend
den füller
immer mindestens in einer hand

kurz streift mein atem um die welt

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in asche liegen

das graue alter der erde
das träge schaben der stunden
und wie die sterne über uns lachen
oder gar nicht wissen, dass es uns gibt –

dabei habe ich ihnen schon so viele geschichten erzählt.

ich werde nicht größer, als ich bin

nur das großzügige scheitern
und die stille danach,
wenn nichts mehr brennt.

Elefantenhaut

Immer wieder Sonne sehen morgens
den Schlaf aus dem Körper
schaufeln im Rhythmus des Tages
die Füße absetzen als ginge es
irgendwo hin.
Die Scherben suchen die Sohlen blutig
laufen der dicken Haut entgegen
so wächst man weiter
Schicht um Schicht
wir häuten uns nicht.

Zwielicht

Zwielicht: Tagumrandung, Nachtumrandung. Ich trete in den Untergang hinaus und laufe, bis die Bäume kommen. Einer nach dem anderen, um ihre Postitionen am Asphalt zu beziehen als stünden sie dort immer und gehörten dort hin. Mein Nicken erzeugt ein Zittern in den Aspen, es zieht sich wellenförmig durch die Reihe, bis ich ihm nicht mehr folgen kann. Ich kenne die Bäume beim Namen. Sie wohnen im Wald der Bäume und sie kommen nur für mich an den Rand der Welt. Sie gehen erst, wenn ich sie nicht mehr sehen kann.
Ich kniee und bringe Ordnung in die Steine, aufgewirbelt durch Passanten. Ich sehe jedem Stein seine Geschichte an, vom Glühen, übers kühlen Stein-werden, bis zu jedem Wassertropfen, der Rinnen fraß. (Meine eigene Geschichte ist so kurz, dass ich mich beinahe schäme.)
Ich balanciere über die Fahrbahnmakierung mit Retroreflektion. Die Autos fahren langsamer, je näher sie kommen, um erneut zu beschleunigen. Dort hinten an der Kreuzung bremsen sie wieder und so weiter. Ich grüße und hebe die Hand. Jetzt ist es dunkel, ich ziehe mir mein Kleid über den Kopf (- es ist paradox, dass wir uns tendentiell zur Dunkelheit entkleiden -) und trete in den schmalen Feldweg. Dort hinten an der Ulme stehst du, dein Hemd über dem Arm. Ich grüße und hebe die Hand. Die Bäume gehen jetzt, da ich sie nicht mehr sehen kann.
Du kommst nur für mich an den Rand meiner Welt, stumm begegnen wir uns und lesen unsere Geschichten.

Wo alles Perle ist

Der Wecker ist das Klopfen des Windes am Fenster. Ich liege bis zum kurzen Moment, in dem die Sonne zwischen den Häusern wandert. Nur ein paar Wochen im Jahr das kurze Kitzeln alter Tage. Ein Moment, der einen Zeitraum aufleuchten lässt, der selig war, den ich lesend und schreibend verbrachte, Muscheln malend, in dem ich Gedichte über das Meer aufsagte, um marin zu werden. Das schlaue Wissen eines Kindes, das begreift und sich zufrieden gibt. Wo alles Perle ist, wo ein Lächeln Liebe bedeutet und Schweigen Stille.
Ich habe mich so lange nicht verliebt. Heute bin ich Spinne, greife die Dinge um mich mit (zu) vielen Händen, betrachte und sortiere. Sortiere neu. Puste den Staub von den Dingen und denke beständig über die Reihenfolge nach.
Manchmal noch gehe ich verloren im Liegen, gehe verloren, wenn die Decke wie Schaum über meine Glieder läuft und nach Salz riecht, wenn das Zimmer wie Höhle, der Regen wie Urwald, das Zwielicht wie Nachtschatten scheint, dann habe ich mein junges Herz zurück.

Blume

Ich bin heute morgen tot aufgewacht,
dem Schützen konnte ich in die Augen sehen.
Nichts mehr Halten können durch die Dinge
greifen, sehen, darüber hinweg
sein warst du.

Ich bin heute morgen tot –
ich hatte gestern noch Sorgen.
Ein Schaudern jetzt gleich einem Seufzen,
ich trage Messer auf Vorrat,
für solche Fälle trage ich
den Schmerz als Blume an der Brust
stecke sie ins Haar, wenn ich muss,
begieße sie mit Tränen und Alkohol,
werfe sie auf Gräber
und schaufle Erde darüber,
als gebe es Nichts und kein Ende.