oktober

oktober

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Wo alles Perle ist

Der Wecker ist das Klopfen des Windes am Fenster. Ich liege bis zum kurzen Moment, in dem die Sonne zwischen den Häusern wandert. Nur ein paar Wochen im Jahr das kurze Kitzeln alter Tage. Ein Moment, der einen Zeitraum aufleuchten lässt, der selig war, den ich lesend und schreibend verbrachte, Muscheln malend, in dem ich Gedichte über das Meer aufsagte, um marin zu werden. Das schlaue Wissen eines Kindes, das begreift und sich zufrieden gibt. Wo alles Perle ist, wo ein Lächeln Liebe bedeutet und Schweigen Stille.
Ich habe mich so lange nicht verliebt. Heute bin ich Spinne, greife die Dinge um mich mit (zu) vielen Händen, betrachte und sortiere. Sortiere neu. Puste den Staub von den Dingen und denke beständig über die Reihenfolge nach.
Manchmal noch gehe ich verloren im Liegen, gehe verloren, wenn die Decke wie Schaum über meine Glieder läuft und nach Salz riecht, wenn das Zimmer wie Höhle, der Regen wie Urwald, das Zwielicht wie Nachtschatten scheint, dann habe ich mein junges Herz zurück.

Blume

Ich bin heute morgen tot aufgewacht,
dem Schützen konnte ich in die Augen sehen.
Nichts mehr Halten können durch die Dinge
greifen, sehen, darüber hinweg
sein warst du.

Ich bin heute morgen tot –
ich hatte gestern noch Sorgen.
Ein Schaudern jetzt gleich einem Seufzen,
ich trage Messer auf Vorrat,
für solche Fälle trage ich
den Schmerz als Blume an der Brust
stecke sie ins Haar, wenn ich muss,
begieße sie mit Tränen und Alkohol,
werfe sie auf Gräber
und schaufle Erde darüber,
als gebe es Nichts und kein Ende.

Weiche

dürfen wir flackern in der nacht dem stehenden auto hinterher
brüllen oder seufzend dem stein nachtrauern nachdem wir ihn ins wasser warfen.
dürfen wir „früher“ denken und eine farbe streichen

sagen: wir mögen kein wasser keine katzen kein anstelle von
den wolf im wald suchen, tagelang nicht nach hause kommen
den weichen nachgeben und vor der kurve denken “schaffe ich das“

dürfen wir dem süßen geruch folgen, nur wenn uns danach ist
und immer dann, wenn sich der wind dreht, auseinander treiben.
dürfen wir uns aneinander zu schaffen machen bis wir schaden nehmen,

dürfen wir uns zu schaffen machen.
schaden aneinander nehmen.

Gipfel

Wir schleudern unsere Worte durch die Luft
wie Steine in einem Sturm stehen wir
im Rauschen auf Geröll und beschweren die Glieder
bewegungslos harren wir der Kälte aus.

Der starre Arm wie er gefriert das Haar die Ader
der Atem bricht nicht trägt die letzte Silbe
wild schlägt sie auf an der Mauer und fällt müde ins Tal.

.

Wir haben hatten wir gesagt es ist lange her unsere Seelen
verbunden mit Sand und Sonne und mit Blumen
in die Luft gehängt.

Schaum

Mir gefrieren die Tage
an den Fingern das harte Wort
im Mund spucke ich deinen Speichel
auf den Gehweg trete ich die Hecke
zurecht bis sie sich schüttelt

Heute parke ich das Auto falsch
versalze ich die Suppe
lasse das Wasser kochen grundlos
streue ich Zucker in deinen Kaffee
obwohl ich seit Jahren weiß du trinkst ihn
oben ohne.

 

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Decke

du fühlst die hand
an deinem hals das warme
sein an deinem das starre
gefühl im arm

du hörst das schnelle herz am
atem zehren das lachen, das sagt:
du hast die heizung schon wieder zu
warm liegen die dinge aneinander
so lange man nicht reibt
nicht zieht
nicht schiebt
nicht hinsieht